{"id":1500,"date":"2012-12-04T11:14:32","date_gmt":"2012-12-04T10:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/histoire-fete-unique-au-monde\/"},"modified":"2013-06-13T10:41:46","modified_gmt":"2013-06-13T08:41:46","slug":"die-geschichte-eines-in-der-welt-einzigartigen-festes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/de\/die-feste\/die-geschichte-eines-in-der-welt-einzigartigen-festes\/","title":{"rendered":"Die Geschichte eines in der Welt einzigartigen Festes"},"content":{"rendered":"<h2>VON DER PARADE ZUM FEST<\/h2>\n<p>Die Geschichte des Winzerfestes von Vevey ist untrennbar mit der der Winzerbruderschaft verbunden. Mehr als ein Schauspiel, ist sie an erster Stelle eine aus einer mehrere Jahrhunderte alten Tradition hervorgegangenen Zelebration. Im 17. Jahrhundert organisierte die Winzerbruderschaft, damals \u201cAbbaye de l\u2019agriculture, dite de St. Urbain\u201d genannt, die aus Urzeiten hervorzukommen vorgab, wie auch zahlreiche andere Vereine, j\u00e4hrlich einen Umzug \u2013 Parade, \u201cPourmenade\u201d oder \u201cBravade\u201d genannt \u2013 durch die Stadt. Mit Fahne und Figur des heiligen Schutzpatrons an der Spitze, stolz zur Schau getragenen \u201cmarmousets\u201d (kleine, auf Stangen befestigte, den Alltag der Winzer darstellende Figuren), verliess der Umzug den Vorplatz der auf dem kleinen H\u00fcgel gelegenen Kirche St. Martin und zog bis ans Seeufer durch die engen Gassen der Stadt. Diese Parade folgte auf die Generalversammlung, bei der die Arbeit der Weinbauarbeiter besprochen (und kritisiert) wurde, und ging dem traditionellen Vereinsbankett voraus. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde dem Umzug durch die Stadt nach und nach mehr Inhalt und Umfang gegeben. Zuerst wurde er durch einige Musikanten und S\u00e4ngerinnen (\u201cchanterelles\u201d) bereichert, dann kamen ein kleiner Bub, der auf einem Fass sitzend die Rolle des Bacchus spielte (1730) und ein anderer, als M\u00e4dchen verkleidet, Ceres, die G\u00f6ttin der \u00c4hren und der Ernte darstellend, hinzu. W\u00e4hrend die von den Berner Vogten eingef\u00fchrte protestantische Reform noch sehr streng war und nur wenig gemeinschaftliche Festlichkeiten zuliess, zog der Umzug der Winzerbruderschaft immer mehr Schaulustige an.<\/p>\n<p>Gegen 1770 gab sich die Winzerbruderschaft, b\u00fcrgerliche Gesellschaft von Grundbesitzern, zum Ziel, die Verbesserung des Weinbaus zu f\u00f6rdern und eher die gute Arbeit der Weinbauarbeiter zu belohnen, als die etwaigen M\u00e4ngel im Anbau hervorzuheben. Wenn es die Finanzen und die wirtschaftlichen und politischen Umst\u00e4nde erlaubten, wurden demzufolge die Besten pr\u00e4miert und gekr\u00f6nt.<\/p>\n<p>Es war diese Kr\u00f6nungszeremonie der besten Arbeiter, die nach und nach die fr\u00fchere Parade in ein Winzerfest umwandelte. 1797, w\u00e4hrend sich l\u00e4ndliche Feste und alles mit der Natur Verbundene in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft grosser Beliebtheit erfreuten, baute man auf dem Marktplatz von Vevey eine erste Estrade auf, damit die zahlreichen Schaulustigen dieser festlichen Kr\u00f6nung beiwohnen konnten. Wie es einige Einwohner von Vevey betonten, war dies auch das erste Mal, dass man den Geldbeutel z\u00fccken musste, um die Feierlichkeiten der \u201cAbbaye des Vignerons\u201d miterleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Schauspiel entstand aus dem Bem\u00fchen um eine gr\u00f6ssere Hervorhebung der Belohnungszeremonie f\u00fcr die besten Weinbauarbeiter. Man gab ihm Struktur und bereicherte es mit neuen Ornamenten: der Verlauf des Umzug-Schauspiels wurde in vier Jahreszeiten aufgeteilt, und eine weitere Gottheit, Palas, kam zu Bacchus und Ceres hinzu.<\/p>\n<h2>VON DER BASTELEI ZUM VEREINHEITLICHTEN WERK<\/h2>\n<p>Die unruhigen Zeiten, die auf die waadtl\u00e4ndische Revolution folgten, machten es schwer, die Errichtung eines neuen Winzerfestes in Betracht zu ziehen. Schliesslich, nach zweiundzwanzig Jahren, kam dann 1819 die Zeit, den jungen Generationen zu er\u00f6ffnen, was das Winzerfest war und bedeutete. Noch nie waren zwei Zelebrationen durch soviele Jahre getrennt gewesen! In diesem Jahr wurden die Themen durch die Alten Schweizer (<i>Anciens Suisses<\/i>) und das Lied des \u201cRanz des vaches\u201d \u2013 die alt\u00fcberlieferte Hymne, die hier die engen wirtschaftlichen und sozialen Bindungen zwischen Winzern vom Genferseegebiet und Bauern aus der Freiburger Veveyse festigte \u2013 erg\u00e4nzt, Darstellungen, die heute noch einen bedeutenden Teil im Winzerfest einnehmen. Mit der Verbesserung der Verkehrsmittel \u2013 seit dem Fest von 1833 die Seedampfer, seit dem von 1865 die Eisenbahn \u2013 kamen die Zuschauer immer zahlreicher nach Vevey.<\/p>\n<p>Das Winzerfest nahm unaufh\u00f6rlich an Gr\u00f6sse und Bedeutung zu, sowohl angesichts des Ausmasses der Veranstaltung als auch seiner k\u00fcnstlerischen Qualit\u00e4t. Auf das musikalische und dichterische \u201cPatchwork\u201d der ersten Winzerfeste des 19. Jahrhunderts, wo man sich damit begn\u00fcgt hatte, ein Arrangement von Gelegenheitstexten auf bekannte Volksweisen zu bestellen, folgten Feste, f\u00fcr die angesehene K\u00fcnstler originelle und koh\u00e4rente Werke schufen. 1851 komponierte Fran\u00e7ois Grast die erste vollst\u00e4ndige Partitur, die den noch uneinheitlichen, von verschiedenen Amateurdichtern verfassten Texten eine gewisse Einheit verlieh. Er komponierte sp\u00e4ter auch die Partitur des Festes von 1865. 1889 wurde die Partiturkomposition Hugo de Senger anvertraut. Bereits zu dieser Zeit versuchte das Fest, Volks- und Elit\u00e4rkultur harmonisch zu verbinden. Es wurde sowohl vom \u201cFestspiel\u201d als auch von der Oper und den Alpenfesten inspiriert.<\/p>\n<p>Schliesslich, im Jahr 1905, wurde dank der engen Zusammenarbeit zwischen den Br\u00fcdern Ren\u00e9 und Jean Morax \u2013 bzw. Verfasser des Librettos und Maler \u2013 und dem Komponisten Gustave Doret zum ersten Mal ein koh\u00e4rentes Werk vollbracht. Sie riefen eine wahre Hymne an die Erde wach, deren volkst\u00fcmlicher Erfolg Generationen von S\u00e4ngern pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Nach einem solch\u2019 aufsehenerregenden Erfolg verleitete die Angst vor entt\u00e4uschenden Innovierungen, zudem in einer schwierigen Zeit, die Winzerbruderschaft dazu, 1927 erneut Gustave Doret um seinen Beitrag anzusuchen. Das Libretto wurde Pierre Girard anvertraut. Der zweite Weltkrieg verz\u00f6gerte die Zelebration eines neuen Festes. Die Welt hatte sich ver\u00e4ndert. 1955, in einer Gesellschaft, die begeistert neue Vergn\u00fcgungen entdeckte, bef\u00fcrchtete die Winzerbruderschaft, dass ein traditionelles Fest den Erwartungen seines Publikums nicht mehr entsprechen k\u00f6nnte. Carlo Hemmerling und G\u00e9o-H. Blanc trugen dazu bei, das Fest aus seinen regionalen Grenzen herauszutragen. So erg\u00e4nzte eine beeindruckende Palette internationaler K\u00fcnstler das begeisterte Engagement der \u00f6rtlichen Statisten, und ein leichter Hauch von Broadway wehte \u00fcber den Marktplatz von Vevey&#8230;<\/p>\n<p>1977 komponierte Jean Balissat eine Musik, die auf wunderbare Weise dem Wunsch des Librettisten Henri Deblu\u00eb entgegenkam. Dieser waadtl\u00e4ndische Autor tr\u00e4umte davon, das Fest nach dem Prunk von 1955 zu seinem urspr\u00fcnglichem Land zur\u00fcckzuf\u00fchren und wieder eine Bindung zur christlichen Tradition zu schaffen \u2013 wie die christische Symbolik der Rebe und des Weins \u2013, die bisher nur sehr bescheiden inmitten eines Pantheons von antiken und heidnischen G\u00f6ttern zu erkennen war.<\/p>\n<p>Das letzte Fest fand im Sommer 1999 statt. Es wurde von Fran\u00e7ois Rochaix entworfen und inszeniert. Die Winzer waren wahrlich in den Mittelpunkt der Dramaturgie gestellt. Eine einmalige Zelebration, die Kr\u00f6nung, wurde ihnen vollst\u00e4ndig gewidmet, bevor Arlevin, der fiktive, possenreissende gekr\u00f6nte Winzer, sie allesamt w\u00e4hrend der vierzehn Vorstellungen vertrat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>DAS WINZERFEST UND DIE BEKR\u00c4FTIGUNG DER REGIONALEN IDENTIT\u00c4T<\/h2>\n<p>Der Erfolg, den jedes neue Winzerfest errang, sowie der Ehrgeiz der Veranstalter, immer noch weiter und h\u00f6her zu gehen, setzte stetig steigende Investitionen voraus. Demzufolge wurde es schwierig, mehr als f\u00fcnf Feste pro Jahrhundert zu veranstalten. Die damit verbundenen, langen \u201cRuhepausen\u201d h\u00e4tten auf lange Frist dem Fest sein Interesse nehmen k\u00f6nnen. Dies war jedoch keineswegs der Fall. Vevey ist nicht mehr der l\u00e4ndliche kleine Marktflecken, in dem die ersten Winzerparaden ins Leben gerufen wurden. In dieser Industrie- und Handelskleinstadt, oft recht enfernt von den Winzer- und Bauernrealit\u00e4ten, bleibt das Winzerfest einmal pro Generation ein Fest der Erinnerung, der Identit\u00e4t. Es vereint alte Traditionen mit zeitgen\u00f6ssischen Herausforderungen. Es weckt in jedem Zuschauer seine Vergangenheit und zelebriert gleichermassen die Gegenwart des arbeitenden Menschen. So ist das Winzerfest ein grosser Liebes- und Hoffnungsgesang, eine Hymne an die Erde, die Heimat, an die Menschen und ihre Wurzeln. Es feiert den Zyklus des Lebens.<\/p>\n<h2>DIE WINZERFESTE DER 19. UND 20. JAHRHUNDERTE IN ZAHLEN<\/h2>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/wp-content\/uploads\/fetedesvigneronsenchiffres.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-548 aligncenter\" alt=\"fetedesvigneronsenchiffres\" src=\"http:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/wp-content\/uploads\/fetedesvigneronsenchiffres.png\" width=\"991\" height=\"751\" srcset=\"https:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/wp-content\/uploads\/fetedesvigneronsenchiffres.png 991w, https:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/wp-content\/uploads\/fetedesvigneronsenchiffres-197x150.png 197w, https:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/wp-content\/uploads\/fetedesvigneronsenchiffres-590x447.png 590w, https:\/\/www.confreriedesvignerons.ch\/wp-content\/uploads\/fetedesvigneronsenchiffres-980x742.png 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 991px) 100vw, 991px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VON DER PARADE ZUM FEST Die Geschichte des Winzerfestes von Vevey ist untrennbar mit der der Winzerbruderschaft verbunden. 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