Die offiziellen Fotos der Fête des Vignerons 2019 ZUR OFFIZIELLEN WEBSEITE Winzerfest
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5. – 6. AUGUST 1819 : DIE URFORM DER GEGENWÄRTIGEN FESTE

“Die Mehrzahl ist der Meinung, dass man nach mehr als zwanzig Jahren Revolution, Krieg und Elend die glücklichen Zeiten, die sich anbahnen, auskosten soll, um sich an dem zurückgekehrten Frieden zu erfreuen, diese traurigen Jahre zu vergessen und, nicht zuletzt, um der Ungeduld der Menschen, die dieses Fest nicht gesehen haben und es sich sehnlichst herbeiwünschen, nachzugeben.” Manual 4, 21.1.1819

In sechs Monaten wurde das Fest gestaltet, mit der Beteiligung von 730 Statisten. Die Rollen der Bachantinnen, Heuerinnen und Schnitterinnen wurden weiterhin von Männern besetzt, da die Aufgabe für Frauen als zu mühsam angesehen wurde.

Bei der Parade von 1797 waren der Umzug und seine Produktionen auf dem Marktplatz konzentriert.  Seitdem hat das Winzerfest, das sich im Laufe des 19. Jahrhunderts stets entwickelt hat, die Form eines Umzugs behalten, der auf diesem Platz haltmachte, bevor er in den Strassen von Vevey umlief. Diese Stationierung auf dem Marktplatz hat später zu dem grossen Winzerfest, das wir heute kennen, geführt. Ein Regisseur (der Tanzleiter) wurde von da an hinzugezogen, um den Einmarsch des Umzugs bis vor die Estrade zu inszenieren. Die Bruderschaft stellte auch einen Musikleiter ein, der zwar keine Partitur komponierte, jedoch die Lieder wählte und die Texte dazu bearbeitete. Die Statisten mussten schon damals ihre Kostüme bezahlen und sich den Enscheidungen der Ausschüsse fügen:

“Die Canephoren (geweihte Körbe tragende junge Mädchen), die Chorkinder, die Hirten und Hirtinnen werden ausschliesslich Stoffe benutzen dürfen, die den ihnen übergebenen Mustern entsprechen […]. Die Afrikaner, Träger von Bacchus, acht an der Zahl, werden sich auf ihre Kosten kleiden, wie auch alle anderern Gesellschaftsmitglieder, mit Ausnahme der mit Federn geschmückten Haartrachten und Gürtel, der Lederarmbände und perlenförmigen Ohrgehänge; Gegenstände, die die Gesellschaft wieder zurücknimmt.” Manual 4, 10.5.1819

Die Kostüme wurden so entworfen und gefertigt, dass sie später, von ihren offiziellen Verzierungen entledigt, von den Statisten auch im Alltag getragen werden konnten. Die Prozession endete am Seeufer, wo dann das Festessen stattfand:

“Das Festessen wird einfach sein, der Berufung des Landwirts entprechend, wie er es am Tag der Vermählung seiner Kinder zu sich nimmt; es wird zusammengestellt sein und niemand wird Zusätzliches bestellen: eine Flasche neuen Weins, Brot, eine Bohnensuppe, kalte Fleischpastete, Schinken, kalter Schweinsbraten, Salat, gesalzenes Fleisch, Waffeln, Käse und Obst.” Manual 4, 7.6.1819

Respekt der Tradition und Verherrlichung des Heimatlandes waren im Fest von 1819 besonders herausstechende Themen. Dieses Fest wollte das Nationalgefühl bei den Waadtländern beleben, deren Kanton erst kurz zuvor in die Schweizer Geschichte eingetreten war. So bewachten “Alte Schweizer” die Estrade und eröffneten den Parademarsch. Auch wurde zur Verstärkung des Gefühls der Verbundenheit mit dem Land, das Akteure und Zuschauer hervorrufen sollten, der “Ranz des vaches” eingeführt.

SCHAUSPIEL

Präsident: Louis Levade
Tanzleiter: David Constantin
Musik: David Glady (Textbearbeitung zu bekannten Weisen)
Vorstellung vor den Estraden, dann traditioneller Umzug durch die Stadt, mit an den “Stationen” ausgeführten Tänzen

GEKRÖNTE WINZERs

Jean-Louis Blanchoud, Jean-David Maury (sowie 16 prämierte Winzer): erstmals Belohnungen in Form von Bargeld

ARENA UND BÜHNENBILD

Auf der Seeseite wird eine Tribüne aufgebaut, vor der eine weitläufige, viereckige Bühne installiert wird
2’000 Sitzplätze

EIGEN- UND NEUARTIGKEITEN

Kostüme: man trägt die Kostüme der Zeit, mit Bändern und Winzer-Emblemen versehen; nur die Gottheiten und ihre Begleiter tragen Theaterkostüme; um der Einheit des Gesamtbildes willen werden bestimmte Farben den jeweiligen Jahreszeiten zugeordnet.
Der Frühling: Trommeln und Pfeifen, Gärtner und Gärtnerinnen, Priesterin von Palas
Der Sommer: von Rinderhirten geführte Kühe, Kuhhirten, Senner, Almhütten-Ustensilien tragender Wagen, man singt den “Ranz des vaches”, Priesterin von Ceres
Der Herbst: Entlauberinnen, Scherenschleifer, den Bock führende Opferknechte, Hoher Priester von Bacchus, die “bossette” (die Weinlese tragender Wagen)
Der Winter: Küche mit Waffelbäckerin, Dorfhochzeit mit Notar und Aussteuer-Wagen, Wiedereinführung des Barons, Trupp von “Alten Schweizern” in Landsknecht-Kostümen (“Lansquenets”).

DAS FEST IN ZAHLEN

730 Statisten
2 Vorstellungen
Die Plätze kosten von 1 bis 3 Franken
Das Fest kostete 16’254 Franken
Defizit: 9’666 Franken

CORTEGE_1819

COUPLE_VIGNERONS

ANCIEN_SUISSE