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8. – 9. AUGUST 1833 : DAS FEST FÜR EIN NEUES PUBLIKUM

1833 waren die ersten Dampfer auf dem Genfersee erschienen. Noch nie hatte Vevey so viele Besucher empfangen. Von überall her drängte sich die Menge, die dieses neue Transportmittel, das ab Mitte der zwanziger Jahre die Fahrstrecken zwischen Genf und Villeneuve revolutioniert hatte, weitgehend benutzte. So erreichten zahlreiche Besucher und Zuschauer Vevey per Schiff, während andere sich noch zu Fuss auf den Weg machten:

“Vierzehn Jahre später, 1833, als ich nicht früh genug auf einen der bereits von zahlreichern Passagieren vollbesetzten Dampfer kam, die die Strecke von Genf nach Vevey bedienten, musste ich mit dem öffentlichen, “Berner Kurrier” genannten Wagen vorliebnehmen. Dies war für die Zeit ein echter Fortschritt. Er fuhr zur Mittagszeit von Genf ab, um gegen sechs Uhr abends in Lausanne einzutreffen. Von dieser Stadt aus kam es dann aber nicht mehr in Frage, weiterzukommen, sei es über den See oder mit der Kutsche. Jedes beliebige Fahrzeug war bereits belegt. […] Diese Ummöglicheit, irgendwo noch einen Platz zu finden, habe ich jedoch nie bereut. Sie verschaffte mir einen dieser phantastischen Züge durch dunkle Schatten, die auch ein Dante nicht verschmäht hätte, und bietete mir die wohl lustigste Nacht, die ich je verbracht habe. Gegen Mitternacht enfernte ich mich von Lausanne und ging den ganzen Weg bis nach Vevey zu Fuss, inmitten der lautesten, buntgeschecktesten, aufgeregtesten und fröhlichsten Menschenansammlung, die man sich vorstellen kann. Die Nacht war schwarz. Kaum ein Stern war am Himmel zu sehen. Starke Windböen kamen immer wieder auf, löschten inmitten des allumfassenden Gelächters die Lampen, waadtländischen oder chinesischen Laternen, Fackeln und allerlei anderen Beleuchtungen, deren flackerndes Licht seine Strahlen auf wie von Téniers gemalte Bilder warf, eines bizarrer als das andere. […] Ich frage mich heute noch, wie es in dieser riesigen Menschenmenge, die sich zwischen Wagen und Pferde drängte, deren Fahrer bereits Bacchus gehuldigt hatten und die aufs Geratewohl durch die finstere Nacht zogen, nicht nur keinen einzigen Unfall, sondern auch keinen unpassenden Schrei, keinen anstössigen Kehrreim, nicht den kleinsten, auch nur von weitem einem Streit ähnelnden Vorfall geben konnte. Die Verwunderung darüber ist umso grösser, wenn man sich daran erinnert, wie die Srasse von Lausanne nach Vevey eng, gewunden und vor allem in der Nähe von St. Saphorin gefährlich war. Die Eisenbahn hat später diesen Gefahren abgeholfen, doch hat sie gleichzeitig diesen heiteren Märschen, dieser so echten Fröhlichkeit, dieser angenehmen Schlichtheit, die es einen glauben liess, man sei inmitten tausender Wanderer wie in einer Familie, ein Ende gesetzt.” Vernes-Prescott, L’Abbaye des Vignerons, son histoire et ses Fêtes, jusqu’à et y compris la fête de 1865

8. – 9. August 1833 : das Fest für ein neues Publikum

Das Fest von 1833 stellte die Krönung der Winzer in den Mittelpunkt seines Ablaufs. Der Abt richtete eine dem Anlass entsprechende Rede an sie, setzte ihnen die Krone auf, dekorierte sie mit einer Medaille und übergab ihnen zum Schluss die Ehrensichel und eine Prämie in Bar. Der Hohe Priester und die Räte sangen ihnen gemeinsam ein Anerkennungs-Lied für ihre hervorragende Arbeit. Die gekrönten und prämierten Winzer wurden vom ganzen Publikum gefeiert. Zum Abschluss dieser Zelebration musste einer der gekrönten Winzer, wie schon 1819 und während dieses ganzen Jahrhunderts, ein Dankes-Solo singen.

SCHAUSPIEL

Präsident: Vincent Doret
Tanzleiter: David Constantin
Musik: Samuel Glady, Sohn von David (erste Komposition einer Orginalmusik, Texte und Musik wurden aus dem zeitgenössischen Repertoire genommen)
Kostüme und Bühnenbild: Théophile Steinlen
Vorstellung vor den Estraden, dann traditionelle Parade durch die Stadt, mit an den “Stationen” ausgeführten Tänzen

GEKRÖNTE WINZER

Jean-Louis Blanchoud, die Brüder Lécheyres (sowie 32 ausgezeichnete und prämierte Winzer)

ARENA UND BÜHNENBILD

Eine Rampe, mit 3 darüber aufgebauten Triumphbögen
2 Estraden
4’000 Sitzplätze

EIGEN- UND NEUARTIGKEITEN

Ein Konflikt in Basel wäre fast zur Gefahr für das Fest geworden.
Der Rat Walther schlägt zwei Liedtiraden vor: eine über die unruhige Schweiz, die andere über das Glück im Waadtland
Die Priesterinnen von Palas und Ceres sind verkleidete Männer.
Der Winter: Noah mit seiner Familie von 8 Kindern

DAS FEST IN ZAHLEN

780 Statisten
2 Vorstellungen
Die Plätze kosten von 1 bis 3 Franken
Das Fest kostete 27’007 Franken
Defizit: 8’121 Franken

LIVRET

BATEAU_LEMAN

Pales 1833

 

BACCHUS_GRAND_PRETRE
Bacchus mit seinem voranschreitenden Hohen Priester, Faltprospekt Winzerfest 1833, Th. Steinlen
p151
Ceres, Winzerfest 1833, Zeichnung von Théophile Steinlen